Ist Simbabwe eine Reise wert? Ja, ja, ja!

Elefanten im Hwange National Park in Simbabwe, die sich an einer Wasserstelle laben. Was für ein Spektakel!

Wenn sich an einer Wasserstelle im Hwange National Park bei Sonnenuntergang zehn, zwanzig (oder mehr) Elefanten-Herden einfinden, geht es rund.

Vergessen Sie alles, was Sie jemals über Simbabwe gehört oder gedacht haben. Das Bild, das die Medien in unsere Köpfe gepflanzt haben, deckt sich nur in homöopathischen Dosen mit der Realität.

Ja, natürlich, Mugabes Schreckensherrschaft hat viele Menschen – schwarz und weiß – in den Ruin getrieben. Aber wissen Sie, dass der momentane Machthaber noch viel schlimmer als der Alte agiert? Als schillernde Persona non grata mit markigen Sprüchen lieferte Mugabe den Journalisten zwar Steilvorlagen, aber der Neue ist um nichts besser.

Nur aus den Medien hält er das Land raus. Und die Journalisten spielen brav mit. Ihnen verdanken wir das im Westen geläufige Bild von Afrika. Und das von Simbabwe auch.

 

 

„Wir haben schon viel Schlimmeres durchgestanden. Wir schaffen auch das.“

Das höre ich so oft in Simbabwe. Ungebrochen, der Kampfgeist. Kämpfen ist in der DNA der Zimbos, wie sie sich selbst nennen. Die positive Grundhaltung spüre ich überall. Im Dorf Dete bei Hwange. In Harare im Supermarkt. In Vic Falls im Taxi. In Gonarezhou am Gate. In Great Zim vom Guide. In Bulawayo im Restaurant.

Ich treffe auf Menschen, die unter Mugabe alles verloren haben, ihr Haus, ihre Firma, ihre Felder. Die einfach am nächsten Tag wieder aufgestanden sind, in die Hände spuckten und bei null begannen.

Ähnlich geht es dem Tourismus. Ab dem Jahr 2000, als Mugabes Landreform empörte Wellen in den internationalen Medien schlug, blieben die Touristen aus. Aber sie machten weiter. Erst seit einigen Jahren geht es wieder mit dem Tourismus bergauf… Meiner Meinung nach viel zu zögerlich. Andererseits ist es auch gut so.

So ist Simbabwe wenigstens (noch nicht) dem Massentourismus preisgegeben.

Aber was genau macht Simbabwe so besonders?

1. Die Guides

Eine gewagte These, aber nicht ganz von der Hand zu weisen: Simbabwe hat die besten Guides Afrikas.

Oder anders formuliert: Nirgendwo in Afrika ist die Ausbildung der Guides intensiver als in Simbabwe. Ein fully licensed Pro Guide hat eine beinharte, praxisbezogene und vor allem eigenverantwortliche Ausbildung hinter sich, die mehr als 4 oder 5 Jahre dauert (und in vielen Fällen sogar deutlich länger) und mit einer anspruchsvollen Praxis-Prüfung endet. Eine Woche lang wird in einem Nationalpark ein Busch-Camp simuliert.

Fully licensed Guides sind dementsprechend gut entlohnt und unerlässlich für Camps, die Walking Safaris anbieten.

2. The beauty of concessions

Camp-Betreiber erwerben durch eine üppige, jährliche Gebühr ein exklusives Nutzungsrecht für ein bestimmtes Gebiet in einem Nationalpark oder bei einer Dorfgemeinschaft. Anderen Camps oder Fahrzeugen ist der Zutritt nicht gestattet.

Für Safaris ohne Autokolonnen und Massentourismus ein Segen.

Manchmal müssen Aufgaben des Natur- und Tierschutzes übernommen werden. Oder die Dorfbewohner kompensiert werden. Oder in den Tourismusbetrieb integriert werden.

Die Konsequenz für Camps: höhere Kosten. Unbenommen aber auch mehr Erlebnis für die Gäste.

Ein Elefant steht direkt vor Touristen auf Walking Safari. Der Guide weiß genau, was zu tun ist, um die Gruppe sicher am Elefanten vorbei zu lotsen.

Die Guides in Simbabwe sind unglaublich. Belesen, kundig, umfassend ausgebildet, umsichtig, erfahren. Ich erlebte ähnliche Situationen (wie auf dem Bild), aber die Guides wussten immer, was zu tun ist.

3. Elefanten in Hwange National Park

In 20 Jahren auf Safari im östlichen und südlichen Afrika habe ich schon viel gesehen. Abertausende Elefanten im Tarangire National Park, die sich im Oktober bei den Silale Swamps einfinden. Panische Elefanten im Selous Game Reserve, die uns 5 km lang ohne Unterlass verfolgten. Eine nervöse Breeding Herd im Luambe National Park, die uns dank des günstigen Windes trotz knapper Entfernung nicht über den Haufen trampelte.

Aber nichtsdestotrotz spielen die Elefanten im Hwange National Park in einer anderen Liga.

Hunderte Elefanten, die an einem heißen Oktober-Nachmittag gierig aus dem Pool saufen, fein säuberlich orchestriert durch die Leitkuh, die darauf achtet, dass jeder an die Reihe kommt.

Oder die unbeschreibliche Geräuschkulisse, wenn hunderte, ja tausende Elefanten während des Dinners den Pool leerschlürfen.

Ein Scharren, Prusten, Brüllen, Trompeten, Schlürfen der Superlative…

 

4. Partizipation der Menschen 

Sie sind dünn gesät, die Erfolgsgeschichten, aber umso ermutigender sind jene, die funktionieren.

Wie beispielsweise Gonarezhou National Park. In den 1970er-Jahren wurden die Anwohner zwangsumgesiedelt, damit der Nationalpark eingerichtet werden konnte. Sie verloren das Land ihrer Ahnen, die Felder, ihre Häuser, alles. Deshalb torpedierten sie viele Jahre die staatlichen Bemühungen um den Natur- und Tierschutz. Für sie ein klares Unrecht: Der Staat verdiente an ihrem Land Geld, sie aber schauten durch die Finger. Bis Clive Stockil Anfang der 1980er-Jahre intervenierte und sich eine gemeinsame Vision entspann, von der bis heute Anwohner und Park profitieren.

Die Anwohner erhalten Einnahmen aus den Buchungen (von jedem belegten Bett), die ein Komitee verwaltet und zum Wohle aller einsetzt. Die Anwohner haben ein Vorrecht auf Arbeitsplätze in den Unterkünften des Parks und die Dorfgemeinschaften erhalten Einnahmen aus Jagdtourismus aus umliegenden Gebieten.

Kurz: Alle profitieren von der Zusammenarbeit, der Park verzeichnet mittlerweile ständig wachsende Zahlen an Wildtieren.

5. Unvergessliche Walking Safaris

Zwei von vielen Beispielen:

Unvergessen, eine Walking Safari im Hwange National Park, als wir auf der Suche nach einem Löwen-Kill waren, aber stattdessen den Weg einer Elefanten-Herde mit nervösen Mamas und erschöpften Jungtieren kreuzten. Sie hatten unsere Duftspur zwar gewittert, aber der Guide hatte frühzeitig den Umweg über einen Granithügel gesucht, der Sichtschutz bot. Wir konnten die Herde in aller Ruhe von oben beobachten, ohne dass sie unseren Standort erraten konnten.

Legendär, die Walking Safaris mit Stretch Ferreira in Mana Pools. Wir hatten von Wild Dogs in der Gegend gehört und machten uns auf die Suche nach ihnen, zunächst mit dem Auto, aber später zu Fuß. Durch den Busch bewegt sich Stretch wie blind, kann jede noch so geringe Spur deuten und gibt gemeinsam mit seinem ebenfalls jahrzehntelang erfahrenen Kumpel Alistair ein kongeniales Duo ab. Schließlich fanden wir sie nach Stunden, eine Gruppe von sieben Wild Dogs, im Unterholz. Ich hätte ihnen noch stundenlang zuschauen können!

6. Sicherheit

Ich gebe zu, anfangs war ich verstört. Stellten die Medien Simbabwe nicht als eines der gefährlichsten Länder Afrikas dar? Und dann hat es nicht einmal ein Schloss auf meiner Tür?

Ich spreche mit mehreren Zimbos darüber und bekomme immer gleiche Antwort:

No worries, Zimbabwe is completely safe.

Stimmt genau. Autos werden nicht abgeschlossen, Türen haben keine Schlösser und die Frage nach Diebstählen in den Camps erntet verständnisloses Lachen.

7. Rhino-Projekte

Nashörner stehen bei den Wilderern ganz oben auf der Wunschliste. Ihr Horn bringt auf den Märkten von Vietnam und China mehr Geld ein als Gold. Umso bemerkenswerter, dass Simbabwe Afrikas viertgrößte Nashornpopulation hat.

Warum? Weil sich viele ambitionierte Naturschützer und Tourismustreibende den Rhinos und ihrem kostenintensiven Schutz verschrieben haben. Ausnahmslos alle Rhinos werden von Security und Rangern rund um die Uhr bewacht.

Menschen mit Kameras liegen im Gras, um das Rudel Wildhunde im Mana Pools National Park (Simbabwe) nicht zu verschrecken.

Mana Pools ist bekannt für seine Wild Dogs. Nick Murray vom Vundu Camp studiert sie und hat es zu seiner Lebensaufgabe gemacht, sie zu schützen.

 

8. Personal aus den eigenen Reihen

Der hohe Standard der Schulbildung, die harte Guide-Ausbildung und die oftmals auf südafrikanischen (wegen der Nähe) oder britischen Universitäten (wegen Mitgliedschaft beim Commonwealth) ausgebildeten jungen Menschen ermöglicht es dem Land, auf einen großen Pool von einheimischem Personal zurückgreifen zu können.

In anderen Ländern Afrikas stammen Camp-Eigentümer, Unternehmensgründer im Tourismus, hochrangige Angestellte oder MitarbeiterInnen in Schlüsselpositionen aus Kenia, Südafrika, Europa oder Amerika. Mitunter ist dies für die Gäste gar nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Kenianische Lodge-Manager in Tansania stechen nicht ins Auge. Genauso wenig wie eine simbabwische Hoteldirektorin in Mosambik.

Nicht so in Simbabwe. Gut ausgebildete Menschen, egal ob schwarz oder weiß, werden in Simbabwe aus den eigenen Reihen rekrutiert. Es ist weder möglich noch notwendig noch gewollt, ausländische Mitarbeiter einzustellen.

Ein Elefantenbaby versteckt sich hinter seiner Mutter. Es imitiert die Mama: Rüssel in die Luft und mal schnuppern, was da in der Nähe ist.

Eine Elefanten-Baby lässt niemanden kalt, speziell wenn es sich scheu hinter Mama versteckt. Im Oktober und November hatte ich solche Begegnungen zuhauf!

9. Dankbarkeit 

So viel Dankbarkeit. Dass es manchmal schon unangenehm ist. Aber sie kommt von Herzen. Von Camp-Eigentümern, die verstanden haben, dass kein Gast selbstverständlich ist. Von Mitarbeitern, die sich an magere Jahre erinnern können. Von Taxifahrern, denen Corona und Mugabe noch in den Knochen steckt. Von Dorfbewohnern, die von jedem Besucher profitieren.

Warum? Weil Simbabwe viele Jahre nicht geboomt hat. Weil alle unter den ausbleibenden Gästen litten. Weil die Menschen nicht die vielen schlechten Jahre nicht vergessen haben.

Und weil die Zimbos gelernt haben, dass nichts im Leben selbstverständlich ist.

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